Was ist eine Initiative?

Eine eidgenössische Volksinitiative, kurz Initiative genannt, ist ein politisches Instrument, das den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern ermöglicht, die Schweizer Bundesverfassung zu ändern. Werden innerhalb von 18 Monaten für ein Anliegen 100'000 gültige Unterschriften gesammelt, wird in der Schweiz über das entsprechende Anliegen abgestimmt.


Das musst du beim Sammeln beachten:

Wer darf unterschreiben?

Eine Initiative unterschreiben dürfen nur stimmberechtigte Personen. Stimmberechtigt sind alle volljährigen Schweizerinnen und Schweizer.

Wie müssen die Bögen ausgefüllt werden?

  • Beim selber Ausdrucken der Bögen musst du unbedingt darauf achten, dass das ganze Dokument aufgedruckt und kein Teil abgeschnitten wurde.
  • Für jede Gemeinde muss ein eigener Bogen verwendet werden (Es gibt Gemeinden mit mehreren Postleitzahlen. 8000 Zürich und 8005 Zürich sind z.B. die gleiche Gemeinde. In diesem Falle reicht es, in der Titelzeile irgendeine Postleitzahl der Gemeinde einzutragen). Die Zeile mit Postleitzahl, Gemeinde und Kanton füllst du aus. Die Angaben in der Zeile zur Person füllt die unterschreibende Person selber aus, und zwar vollständig (Vor- und Nachname ausgeschrieben) und leserlich. Die Spalte Kontrolle muss leer gelassen werden.
  • In der Spalte Wohnadresse reicht die Strasse und Hausnummer. Postleitzahl und Ort sind nicht nötig. Diese Angaben hast du ja bereits in der Kopfzeile der Tabelle notiert. (Wenn die Postleitzahl nicht übereinstimmt, macht das nichts. Wichtig ist, dass die Gemeinde richtig ist.)
  • Gänsefüsschen sind nicht erlaubt. Wohnt die zweite Person am gleichen Ort, muss sie also trotzdem nochmals selber Strasse und Hausnummer notieren.
  • Auslandschweizer und Wochenaufenthalter unterschreiben auf dem Bogen der Gemeinde, von wo sie jeweils ihr Stimmmaterial erhalten.

Was sind Gründe für ungültige Unterschriften?

  • Gut zu wissen: Jede einzelne der 100'000 Unterschriften wird durch die entsprechende Gemeinde geprüft und beglaubigt. Es handelt sich also nicht nur um Stichproben.
  • Der häufigste Grund für eine ungültige Unterschrift: Die Person hat auf dem falschen Blatt unterschrieben. Selbst wenn alles korrekt ausgefüllt ist: wenn eine Person aus der Gemeinde Winterthur auf einem Blatt der Gemeinde Zürich (Stadt Zürich = Gemeinde Zürich) unterschreibt, ist die Unterschrift trotzdem unbrauchbar.
  • Der zweithäufigste Grund: Die Person hat die Initiative bereits unterschrieben. Zweimal unterschreiben nützt nichts, ist allerdings auch nicht strafbar. Im Zweifelsfall lässt du die Person deshalb trotzdem unterschreiben.
  • Der dritthäufigste Grund: Die Person ist gar nicht stimmberechtigt. Sei es, weil sie noch nicht 18 Jahre alt oder Ausländer/in ist.
  • Der vierthäufigste Grund: Statt des Geburtsdatums hat die Person nur ihren Jahrgang notiert.
  • Der fünfthäufigste Grund: Die Angaben wurden unleserlich notiert.

Wo darf ich sammeln?

Sammeln auf öffentlichem Boden ist grundsätzlich erlaubt. Dafür braucht es keine Bewilligung. Für einen Stand oder ähnliches ist eine Bewilligung nötig. Für das Sammeln auf privatem Grund ist das Einverständnis des Eigentümers notwendig (z.B. Einkaufszentren, etc.) Auch in Bahnhöfen ist das Sammeln unter gewissen Auflagen gestattet.

Wer darf überhaupt sammeln?

Sammeln dürfen alle Personen. Dafür musst du weder volljährig noch Schweizerin oder Schweizer sein.

Ist sammeln gegen Bezahlung nicht illegal?

Nein. Es ist zwar verboten, jemanden fürs Unterschreiben zu bezahlen. Das wäre Bestechung. Es ist jedoch legal und üblich, jemanden fürs Unterschriften Sammeln zu bezahlen.


So sammelst du effizient:

Wo gehe ich am besten sammeln?

Gehe dort sammeln, wo es viele Leute hat, die Zeit haben und gut drauf sind.

  • Ergiebig sind Events, z.B. Märkte, öffentliche Konzerte, Strassenfeste, Festivals oder Messen.
  • Sehr gut läuft es meistens auch an einem Samstag vor der Quartier-Migros oder dem Quartier-Coop. Hier sind die meisten Leute aus der gleichen Gemeinde, du musst also nicht immer einen neuen Bogen anfangen.
  • Viele Leute warten an den typischen Treffpunkten und haben Zeit: Zytglogge oder Loeb-Egge in Bern, Bellevue in Zürich, etc. Besonders lohnt es sich zu den Treffzeiten zwischen 17:30 und 20:00 Uhr.
  • Auch an den Tram- und Bushaltestellen warten die Leute genau lange genug, um eine Initiative zu unterschreiben.
  • Einen Versuch wert ist es auch immer im Bahnhof vor dem Migros- oder Coop-Eingang. Zwar sind die meisten eilig unterwegs, dafür aber hast du viele Leute, die durchkommen. Und wer einkaufen geht, hat meist schon noch ein zwei Minuten übrig.

Stehe nicht einfach herum

Sprich die Leute an. Warte nicht, bis sie von sich aus auf dich zu kommen, denn das passiert quasi nie. Je mehr Leute du ansprichst, desto mehr Unterschriften wirst du sammeln. Also: warte nicht auf die sympatischste Person, sprich einfach die nächste an. Man weiss nie.

Sammle zu zweit

Frage eine Freundin oder einen Freund, gemeinsam sammeln zu gehen. Alleine braucht es oft grosse Überwindung, fremde Menschen anzusprechen. Zu zweit fühlt man sich gerade viel selbstbewusster. 

Wie spreche ich die Leute an?

Wichtig ist, dass du direkt sagst, dass du für eine Initiative sammelst. Dann wissen die Leute, dass du ihnen keine Mitgliedschaft verkaufen willst. Das Wort eidgenössisch hilft, dass die Leute sofort wissen, dass sie unterschreiben können, auch wenn sie nicht vom Ort selber sind.

"Guten Tag. Schnell eine Unterschrift für die eidgenössische Justiz-Initiative für unabhängige Bundesrichter?"

 

Komme zügig zum Punkt. Oft reicht ein Satz, der das Anliegen kurz erläutert, damit die Person einen Bauchentscheid fällen kann.

"Es geht darum, dass Bundesrichter nicht mehr durch das Parlament gewählt werden. Stattdessen soll ein unabhängiges Gremium die Bundesrichter bestimmen. So ist die Gewaltentrennung wieder gewährleistet."

 

Nachdem du das Anliegen in dieser Kürze erläutert hast, argumentiere und erkläre nicht mehr weiter! Frage direkt, ob die Person gerne unterschreiben möchte. Viele Leute wollen gar nicht unter Argumenten begraben werden. Sie haben sich ihre Meinung schon ganz am Anfang gebildet. Falls sie mehr Infos wollen, werden sie von sich aus fragen. Ist die Person unschlüssig, hilft es oft auch zu erklären, wofür die Unterschrift überhaupt ist:

"Mit Ihrer Unterschrift ist noch nichts entschieden. Es geht nur darum, dass darüber abgestimmt wird. Auch Sie können vor der Abstimmung das Abstimmungsbüchlein im Detail durchlesen und sich alles nochmals in Ruhe überlegen."

Vermeide lange Diskussionen

Wenn du mit einer Person 10 Minuten diskutierst, gehen in dieser Zeit etwa 3 Personen vorbei, die direkt unterschrieben hätten. Jemanden lange zu überzeugen lohnt sich also nicht. Versuche nicht einen Gegner umzustimmen. Verweise auf die Webseite der Initiative und verabschiede dich freundlich.

Setze dir ein Ziel

Mit etwas Übung lassen sich pro Stunde gut 20 Unterschriften sammeln. Wenn du dir also vorgenommen hast, 3 Stunden zu sammeln, dann mache nach 60 Unterschriften Feierabend.

Wie organisiere ich mein Klemmbrett?

Zuoberst hast du den Bogen der Gemeinde, in der du sammelst (z.B. 3000 Bern). Direkt darunter die Bögen der 5-6 wichtigsten umliegenden Gemeinden (z.B. Köniz, Ostermundigen, etc.) Bevor du die nächste Person ansprichst, halte deinen Daumen beim nächsten leeren Bogen. So verlierst du nicht viel Zeit mit Blättern.

Der Supersammler-Trick

Sammle mit mehreren Klemmbrettern und sprich gezielt Gruppen an. Mit drei Klemmbrettern bist du bis zu drei mal so effizient. Du musst alles nur einmal erklären. Und wenn eine Person der Gruppe unterschreibt, unterschreiben die anderen meistens auch gleich.